Rettet die Heimat!

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Geschrieben von: Astrid Hanisch

Warum der Umweltschutz als politisches Themenfeld nicht an sich emanzipatorisch ist und aus welchen Anschlusschstellen die „Neue Rechte“ zwischen Querfrontstrategien und „Umweltschutz als Heimatschutz“ wählen kann.

Der Heimatschutzgedanke war den Anfängen des deutschsprachigen Umweltschutzes nicht nur beigefügt, er war für die aufkommende Umweltschutzbewegung maßgeblich. Während die politischen Idee des Umweltschutzes seit den 1970er Jahren unisono mit der emanzipatorischen sozialen Bewegung der „neuen Linken“ gleichgesetzt wird, war der Umweltschutz im ausgehenden 19. Jahrhundert in einem ganz anderen Umfeld von gesellschaftlichem Fortschrittsdenken verortet. Die soziale Frage wurde vom Beginn der Umweltschutzbewegung an die Forderung nach Eugenik, also an die qualitative Regulierung von Bevölkerung durch Zwangssterilisationen und Abtreibungen, gekoppelt. In einem der wissenschaftlichen Ökologie entlehntem Kreislaufdenken, war die Einheit zwischen einer gesunden heimatlichen Natur und den mit ihr verwurzelten (erb-) gesunden Menschen, das zu erstrebende – und zu bewahrende – natürliche Ganze. Umweltschutz wurde eher unter ästhetischen Gesichtspunkten betrieben, es ging der frühen Umweltschutzbewegung also mehr um den Erhalt einer Landschaft, die in einem völkischen Verständnis, als „deutsch“ interpretiert wurde. Diese wäre weniger aus Überlegungen des Ressourcenzugangs, schützenswert, sondern weil sie einem zu errichtendem agrarischen Ständestaat als natürliche Grundlage dienen sollte. Demnach solle, wer nicht seine eigene heimische Scholle bestellen könne, wenigstens die Möglichkeit erhalten, die heimatliche Natur, transzendent, zu „schauen“ und „zu sehnen“. Während anfangs der entwickelte Industriekapitalismus als zerstörerische Gefahr galt, fand in den 1920er ein Paradigmenwandel statt, die zersetzende Bedrohung wurde nun in dem von „Degenerierung und Entartung bedrohtem deutschen Volk“ gesehen. Der Blut-und-Boden Ideologe Paul Schultze-Naumburg, erster Präsident des Bundes Heimatschutz1, schrieb dazu: “Der Grund für die flaue Physiognomie unserer allgemeinen Umwelt ist die übermäßige Vermehrung der Unschöpferischen, der Gestalt- und Farblosen, der Halb- und Viertelmenschen, der Schönheitsarmen und deshalb auch nicht Schönheitsdurstigen, die unserer Zeit ihren Stempel aufdrücken..“ Mit dem Ideal einer besinnenden Rückschau, einem hierarchischen, elitären Gesellschaftsbild und der Forderung nach eugenischer Bevölkerungspolitik war die Umweltschutzbewegung anschlussfähig an den Nationalsozialismus, in dessen Reihen sie sich dann auch mit wehenden Fahnen gleichschalten ließ.

Der Fortschritt in die Tradition

Eine Auseinandersetzung über die eigenen völkischen Positionen und die Verstrickungen in die Euthanasie Programme des NS, blieb, dem Zeitgeist gemäß, aus. Dafür mangelte es in der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht an Pamphleten, die die eigene Distanz zu allem Politischen unterstreichen sollten. Im vorgeblich unpolitischen Kampf um den Erhalt der Umwelt fanden hochrangige NS-Funktionäre wie Georg Haverbeck ihr Nachkriegsauskommen. Haverbeck, Protegé von Rudolf Hess und Heinrich Himmler, leitete ab 1933 den „Reichsbund Volkstum und Heimat“, in dem die Heimat-, Landschafts- und Umweltschutzorganisationen gleichgeschaltet wurden waren. Die 1958 als „Weltschutzbund für das Leben“ in Österreich gegründete älteste Umweltschutzorganisation der II. Republik, wurde unter der Ägide von Haverbeck zu einer Kampforganisation gegen die militärische und zivile Nutzung von Atomenergie und für das, unverfänglich formuliert, Leben. Diesen Lebensschüterzer_innen ging es im Kampf um Atomkraftwerke aber ausschließlich um den Schutz des eigenen, heimatlichen Erbgutes. Leben war zu übersetzen mit nationaler DNA. Von einem als verweichlicht verworfenen Pazifismus distanzierte man sich hingegen vehement. Krieg galt nur unter Erbbiologischen Betrachtungen als Gefahr, da in ihm die tapfersten und edelmütigsten fallen würden, was für die Entwicklung des Volkes nicht gut sein könne.
Lebensschutz spielt in der rechten Ökologie vor allem eine ideologische Rolle, Leben wird als Figur immer gleichgesetzt mit dem ganzheitlichen, organischen, ständischen Leben. Gesundes Leben wird demnach als Verbindung zwischen Volk und Boden verstanden, die nicht durch beunruhigende, „infektiöse“ Fremdheit bedroht wird. Darüber hinaus gilt es, in panischem Rekurs, die Karte des in Frage gestellten Überlebens auszuspielen. Im prophezeiten „Kampf ums Dasein“ werden, laut (nicht nur) rechter Ökolog_innen, „Völker um Ressourcen und um Lebensraum“ kämpfen. Mit diesem apokalyptischen Schreckensszenario legitimieren die Theoretiker_innen dann auch ihre eugenische Bevölkerungspolitik, schließlich könne es ja nur im Sinne der Allgemeinheit sein, wenn die Startvoraussetzungen im „Kampf ums Dasein“ möglichst positiv wären, das eigene Volk also mit dem bestmöglichen Menschenmaterial in den Krieg ziehen würde. Da es sich bei diesem Kampf ja um den ultimativen Krieg handeln würde, es also nur Gewinner und Verlierer geben könne, müssten sich die „unterlegenen Völker“ vom Antlitz der Erde vertschüßen, eine Logik ganz im Sinne rechter Ökologie, denn schließlich führen weniger Menschen, nach ihrer einfachen Rechnung, zu einer Entspannung der ökologischen Krise. Bevölkerungspolitik, in der die „Zeitbombe Mensch“ zum Umweltproblem erklärt wird, gehört zu Standardrepertoir der rechten Ökologie. Während die Bevölkerungen der Länder des Trikonts in ihrer bloßen Existenz als ein „zu viel“, als ein „Überschuß“ zum Problem erklärt werden, bedrohen die nach Norden strebenden Migrant_innen die mülltrennenden Gesellschaften angeblich durch ihre Fremdheit. Durch die „Entfremdung“ von ihrem angestammten Lebensraum und ein mangelndes „Heimatbewusstsein“ würden die Migrant_innen zur Umweltbelastung, da sie ohne diese Eigenschaften nicht fähig zum nachhaltigen Ressourcenverbrauch sein könnten. Was im Politikverständnis der „Neuen Rechten“ als Ethnopluralismus oder als „Europa der Völker und Regionen“ firmiert, wird in der ökologischen Rechten zum „Bioregionalismus“ erklärt. Laut diesem Verständnis gäbe es ein natürliches Recht auf Heimat, eine Heimat, die nur denjenigen zusteht, die dort völkisch verwurzelt sind. Diese Menschen also, die ein organischer Bestandteil ihrer Bioregion wären, hätten ein Recht auf die unverfälschte, die echte, die authentische Heimat. Um nicht im Schreckensszenario der „Welteinheitszivilisation“ zu „vermassen“.

Das Problem der rechten Mitte

Mit der Gründung der IÖAG (Initiative Österreichischer Kernkraftgegner) traten im Zuge der Proteste gegen das Kernkraftwerk Zwentendorf, erstmals linke Umweltschützer_innen auf den Plan. Bürgerlich-rechte bis rechtsextreme Umweltschützer_innen waren aber einen Tick schneller, als sie sich 1973 in der österreichischen Umweltschutzbewegung (USB) zusammenschlossen. Auf diese bezog sich die erfolgreichste rechte Umweltschutzpartei Vereinte Grüne Österreichs (VGÖ), in den Wahlkämpfen zwischen den späten 1970er und frühen 1980er Jahren kam es zu strategischen Absprachen zwischen der autoritativen VGÖ und der aus der USB entstanden Wahlgemeinschaft für Bürgerinitiativen und Umweltschutz (WBU), die zu dieser Zeit eng mit der neo-nazistischen Volkssozialistischen Arbeiterpartei (VAP) verbunden war. Einzelne Protagonist [_innen] fanden sich in den 1990er Jahren in den Protesten der Anti-EU Beitritt Listen wieder. Ein prominentes Beispiel gibt etwa Karl Walter Nowak ab, der 1998 für Die Neutralen als Präsidentschaftskandidat antrat. Nowak selbst kommt von der Initiative Bruder Baum, die auch heute im Umfeld von rechts-bürgerlichen Initiativen wie Rettet Österreich oder den Bionieren auftaucht. Und seinerzeit in den 1990er genauso wenig Abgrenzungsschwierigkeiten zu antisemitischen Esogruppen hatte, wie ihr Gründer Nowak ein Problem darin sah, auf einer Liste mit so honorigen Neo Nazis wie Ludwig Reinthaler zu kandidieren.

Rechte Ökologie kann von den Protagonist_innen auf verschiedenen Weise gespielt werden. Gruppierungen wie die VGÖ wollten einen grünen Diskurs beeinflussen und mit rechtskonservativen, rassistischen, frauenfeindlichen Inhalten neu positionieren. Die Querfrontstrategien Der Grünen von Norbert Burger und anderer rechtsextremer Splitterparteien, dürfen als gescheitert betrachtet werden. Wesentlich besser gelang es der FPÖ 2002 mit ihrem Anti Benes Dekrete/Anti Temelin Volksbegehren die Herzen und die Massen zu begeistern. Die FPÖ, die mit ihrer vordergründigen Kritik an der Inbetriebnahme des AKW Temelin, leicht durchschaubar, die Benes Dekrete benannten Passagen der tschechischen Verfassung torpedieren wollte, fand in der Überparteilichen Plattform gegen Atomgefahr eine so willfährige wie naive umweltpolitische Partnerin zur Durchsetzung ihrer revisionistischen Politik.

Dieser Artikel erschien in Suspect 17, Jg. 2009