Feminismus, Antisexismus und Gender

Der medizinische Umgang mit Intersexualität

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Artikel im PDF-Format anzeigen | Druckansicht | Artikel als E-Mail verschicken

Geschrieben von: lilith majmun

Das Thema Intersexualität ist mit einer starken gesellschaftlichen Tabuisierung belegt, die nur im Zusammenhang mit einer zweigeschlechtlichen Ordnung und dem Wunsch, diese mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten, zu verstehen ist. Auch das Wissen über Intersexualität ist im allgemeinen sehr gering. Intersexualität wird im Alltag nicht in ihrem ganzen Ausmaß wahrgenommen, zum einen, weil sie tabuisiert ist, zum anderen weil sie von der Medizin „behandelt“ wird.

Männlich, weiblich, intersexuell: Definitionen der Medizin


Medizinisch wird Intersexualität bezeichnet als das Vorhandenseins von männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen bei einer Person oder eines Genitales, das weder als männlich oder weiblich eingeordnet und als intersexuelles Genital bezeichnet wird.
Im „Normalfall“ bzw. im medizinischen „Optimalfall“ ist eine Person in allen fünf Punkten (siehe Kästchen) demselben Geschlecht, männlich oder weiblich, zuordenbar. Von Intersexualität ist die Rede wenn nicht alle fünf Merkmale demselben Geschlecht entsprechen bzw. wenn eines der Merkmale nicht eindeutig als männlich oder weiblich bezeichnet werden kann.
Die Medizin geht davon aus, dass das „echte“ Geschlecht einer Person das der Gonaden (Keimdrüsen) und/oder der Chromosomen ist. Entsprechen die Genitalien nicht dem gonadalen oder genetischen Geschlecht, werden sie als „korrekturbedürftig“ eingestuft. Die Variationen von Intersexualität sind sehr vielfältig. Auf der Homepage der Intersexuellen Selbsthilfe intersex.at in Österreich heißt es, die Medizin kenne heute bis zu 4000 Formen der Intersexualität. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen intersexuell sind, gehen weit auseinander.

Entwicklung des gesellschaftlichen und medizinischen Umgangs im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Im 18. Jahrhundert begann die Medizin Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Körpern genau zu erforscht. Erst ab dieser Zeit wurden Männern und Frauen zwei grundlegend verschiedene, strikt voneinander getrennte Körpermodelle zugeschrieben. Im 19. Jahrhundert setzte dann der medizinische Diskurs um Intersexualität ein. Seit Beginn der medizinischen Beschäftigung mit Intersexualität wird diese als Fehler, den es „auszubessern“ gilt, empfunden. Die eindeutige Zuordnung einer Person in eine der beiden Kategorien „Mann“ und „Frau“ wird als unbedingt erforderlich betrachtet.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung begann die Medizin damit, intersexuelle Neugeborene einem Geschlecht zuzuweisen. Davor entschieden die Eltern, wie das Kind erzogen, das heißt welche soziale Geschlechterrolle ihm angelernt, werden sollte. Das Geschlecht, für das sich die Eltern entschieden, wurde aber nicht operativ hergestellt. Die rechtliche Lage im 18. Jahrhundert in Preußen und in Bayern bestimmte, dass eine intersexuelle Person im Erwachsenenalter ihr Geschlecht selbst festlegen konnte, unabhängig von dem Geschlecht, das die Eltern für sie gewählt hatten. Ein medizinischer Eingriff wurde nur vorgenommen, wenn sich die_der Intersexuelle dazu entschloss, einen solchen durchführen zu lassen.
Die Rechtslage im 18. Jahrhundert zeigt deutlich, dass es schon vor dem Erstarken der Medizin im Diskurs um Intersexualität eine zweigeschlechtliche Ordnung – zwar nur sozial und nicht biologisch begründet – gab. Letztendlich musste sich die intersexuelle Person für eines der beiden anerkannten Geschlechter entscheiden und durfte keine andere Identität als eine männliche oder weibliche entwickeln.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, galten die Gonaden (Eierstöcke und Hoden) als der wesentliche Indikator für die Bestimmung des „wahren“ Geschlechts. Alle anderen Intersexuellen sind nach dieser willkürlichen Sichtweise „in Wirklichkeit“ entweder männlich oder weiblich, je nachdem, ob Hoden oder Eierstöcke vorhanden sind.
Es kam nun vor, dass Personen, die zuvor von sich und ihrer Umwelt als eindeutig männlich oder weiblich wahrgenommen wurden, aufgrund ihrer Keimdrüsen von der Medizin, dem jeweils anderem Geschlecht zugeteilt wurden. Die medizinische Diagnose kam in diesen Fällen überraschend und stand im Widerspruch mit der individuellen Identität. Oftmals kam die Diagnose auch erst posthum durch eine Autopsie zustande.
Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich die Medizin mit den Geschlechtshormonen zu befassen. Um diese Zeit wurde auch damit begonnen, das Geschlecht eines intersexuellen Menschen nicht mehr nach dem vermeintlich echten, also dem Keimdrüsengeschlecht festzusetzen, sondern danach, welches rein praktisch-chirurgisch leichter zu erreichen war. Die Fokussierung auf die Umsetzbarkeit eines operativen Eingriffs bezog sich zu jener Zeit allerdings nur auf erwachsene Intersexuelle, die „Behandlung“ von Säuglingen fand noch nicht statt.
Im Nationalsozialismus wurden intersexuelle Menschen für "medizinische Forschungszwecke" missbraucht und ermordet. Die Zwangszuordnung von Neugeborenen zu einem der beiden anerkannten Geschlechter erfolgt in Deutschland heute noch immer nach einer Verordnung aus der NS-Zeit.

Medizinischer Umgang mit Intersexualität in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, ging die Medizin dazu über, intersexuelle Kinder einem Geschlecht zuzuordnen und das Genital des Kindes nur wenige Wochen nach der Geburt dem gewählten Geschlecht „anzupassen“. Oder anders ausdrückt, es wurde in dieser Zeit mit der „Elimination“ (Klauda) der Intersexuellen begonnen. Den operativen Eingriffen im Säuglingsalter folgen hormonelle Behandlungen, regelmäßige ärztliche Kontrollen und weitere Eingriffe bis ins Erwachsenenalter um das operativ hergestellte Geschlecht aufrechtzuerhalten.
Großen Einfluss hatte auf diesem Gebiet der amerikanische Sexualforscher John Money. Er bezeichnete Intersexualität als „error“, was einerseits bedeutet, dass es sich bei ihr um einen „Irrtum“ handle, der per se nicht richtig bzw. wünschenswert sein könne, und andererseits, dass ein „Fehler“ vorliege, der einer Korrektur bedürfe. Money war der Ansicht, dass Intersexualität bekämpft werden müsste und es möglich wäre, alle Menschen als „ganz normale“ Männer und Frauen zu erziehen. Als Vorraussetzung für eine „gesunde“ psychische Entwicklung sah Money ein körperlich eindeutiges Geschlecht, das im Zweifelsfall operativ herzustellen wäre. Als wesentlich für die Entscheidung, ob ein intersexuelles Kind zu Frau oder Mann „gemacht“ werden sollte, betrachtete Money die chirurgische Herstellbarkeit des jeweiligen äußeren Genitales.
Dieses Kriterium führte dazu, dass bis heute die meisten intersexuellen Kinder zu Mädchen erklärt werden, denn: „It’s easier to make a hole than to build a pole.“ Daher wurden ab den 1950ern 90% der Intersexuellen dem weiblichen Geschlecht zugewiesen.
Die Herstellung eines weiblichen Genitales bedeutete und bedeutet meistens die Schaffung oder Vergrößerung einer Vagina und die Verstümmelung oder gar gänzliche Entfernung der Klitoris, wenn diese als zu groß eingestuft wurde/wird. Operationen dieser Art verursachen oft chronische Schmerzen und beeinträchtigen bzw. zerstören die sexuelle Empfindsamkeit.
Das chromosomale Geschlecht erlangte erst in den 50ern, nachdem seine Bestimmung möglich geworden war, Bedeutung in der medizinischen Forschung. Das führte dazu, dass, ähnlich wie bei der Entdeckung der Gonaden, Menschen die zuvor als eindeutig männlich oder weiblich eingeordnet wurden, nun zu Intersexuellen erklärt wurden.
Die Annahme, Körper und Identität, die beide eindeutig demselben Geschlecht zuordenbar sind, seien eine Grundvoraussetzung für ein glückliches Leben, führt zu einer weiteren Praxisempfehlung: Sollte sich durch die weitere körperliche Entwicklung des Kindes herausstellen, dass die Geschlechtszuweisung falsch war, sei es aufgrund der Berücksichtigung der psychosexuellen Entwicklung „besser das bisher eingeschlagene Geschlecht beizubehalten und die Situation so gut als möglich mit Hormonen und plastischen Operationen zu stützen“ (Prader). Es wird hier also eine völlige „Umgestaltung“ des Körpers nahe gelegt um ein biologisches Geschlecht (sex) herzustellen, dass mit dem ebenfalls konstruierten sozialen Geschlecht (gender) „stimmig“ ist.

Medizinische Praxis heute

Im medizinischen Diskurs, in dem von einer „natürlichen“ Zweigeschlechtlichkeit ausgegangen wird, werden intersexuelle Erscheinungen spätestens seit den 1950er Jahren als unnatürlich wahrgenommen und müssen durch medizinische Eingriffe sozusagen künstlich „natürlich gemacht“ werden.
Die Medizin geht heute nach wie vor davon aus, dass Intersexualität „behandelt“ werden müsse und dass die Entscheidung gefällt werden müsse, ob ein Kind zu Mann oder Frau erzogen wird. Die Diskussionen innerhalb der Medizin drehen sich darum, in welchem Fall ein Kind welchem dieser beiden Geschlechter zuzuordnen sei, nicht darüber, ob es überhaupt kategorisiert werden soll. Die Idee der Subsumierung aller Formen von Intersexualität unter dem Begriff „Drittes Geschlecht“ oder gar der Nicht-Kategorisierung von Kindern stößt bei einem Großteil der Mediziner_innen auf Ablehnung und Widerstand. Die Forderung nach der Anerkennung mehrerer Geschlechter wird von ärztlicher Seite als absurd abgetan, weil davon ausgegangen wird, dass es genau zwei naturgegebene Geschlechter gäbe und es sich bei Intersexualität um eine Störung handle. Die Geburt einer_s Intersexuellen wird als Notfall wahrgenommen, der traumatische Auswirkungen für Kind und Eltern hätte, würde nichts gegen ihn unternommen werden.
Rechtlich liegt die Entscheidung darüber, ob medizinische Eingriffe vorgenommen werden, bei den Eltern. Allerdings ist es für Eltern, die bei der Geburt ihres Kindes das erste Mal mit dem Thema Intersexualität konfrontiert werden, schwierig eine solche Entscheidung möglichst selbständig zu treffen. Es wird das Bild einer Krankheit und eines Notfalls, der eine rasche Entscheidung notwendig macht, vermittelt. Die Möglichkeit, das Kind (zumindest bis es selbst entscheiden kann) keinem Geschlecht zuzuordnen, wird nicht in Betracht gezogen und die meisten Eltern haben kaum eine andere Wahl, als der Meinung der medizinischen „Expert_innen“ zu vertrauen. Kontakte zu kritischen Intersexuellen-Organisationen werden nicht vermittelt. Entscheiden sich Eltern trotzdem dafür, ein intersexuelles Kind weder in der männlichen noch in der weiblichen Geschlechterrolle zu erziehen, und es keiner hormonellen oder operativen Behandlung auszusetzen, geht die ärztliche Reaktion oft so weit, dass unter den Mediziner_innen darüber diskutiert wird, ob den Eltern das Sorgerecht entzogen werden solle.
Die medizinische Zuweisungspraxis lokalisiert das „wahre Geschlecht“ heute in den Genen, den pränatalen Hormonen und dem sozialen Geschlecht, wobei letzteres in der Pubertät oder im Erwachsenenalter der_des Intersexuellen für die Medizin darüber Auskunft geben soll, ob die Geschlechtszuweisung nach der Geburt richtig war.
Das äußere Genital wird dann als eindeutig weiblich oder männlich definiert, wenn der Klitorophallus kürzer als 1 cm (Klitoris) oder länger als 2,5 cm (Penis) ist, dazwischen wird das Genital als intersexuell angesehen.
Ein als intersexuell bezeichnetes Genital wird auch heute noch in der Regel dem weiblichen Genital „angeglichen“. Trotzdem ist eine leichte Verschiebung der Zuweisung in männliche Richtung erkennbar und es finden laut Angaben von medizinischer Seite keine kompletten Klitorisentfernungen mehr statt. An der Praxis der Verstümmelung der Klitoris um sie auf „normale“ Länge zu bringen wird allerdings festgehalten. Ebenso werden weiter die Gonaden, die nicht denen des zugewiesenen Geschlechts entsprechen, entfernt, was die Unfruchtbarkeit der betroffenen Personen zur Folge hat.

Die Kritik an Diskurs und Praxis der Medizin

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre wurde das erste Mal Kritik am medizinischen Diskurs um Intersexualität laut. Diese Kritik kam in erster Linie von Menschen, die selbst intersexuell waren und die medizinische Praxis der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts am eigenen Körper erlebt haben.
Der Zeitpunkt des Aufkommens der Kritik lässt sich vor allem dadurch erklären, dass sozusagen die erste Generation der zwangsbehandelten Kinder nun zwischen 30 und 40 Jahre alt war und erstmals über ihre Erfahrungen sprach, aber auch dadurch, dass in sozialwissenschaftlichen Diskursen das Konzept der „natürlichen“ zweigeschlechtlichen Ordnung zunehmend hinterfragt wurde.
Was die Medizin als „korrektive Eingriffe am Genital“ bezeichnete und bezeichnet, war und ist für viele betroffene intersexuelle Personen und Kritiker_innen Genitalverstümmelung. Der Verlust der Selbstbestimmung über den eigenen Körper, die jahrelangen Hormonbehandlungen und weitere Eingriffe wie etwa „Vaginaldehnungen“ (deren Durchführung sich oft über Jahre erstreckt), die andauernden ärztlichen Untersuchungen, die Darstellung von Intersexualität als Krankheit, die das Gefühl vermittelt, dass etwas mit einer/m nicht stimmt, werden von den meisten Intersexuellen als physische und psychische Folter wahrgenommen, die sich traumatisierend auswirkt. Erst durch die Eingriffe, die oft jahrelange Nachbehandlungen erfordern, werden Intersexuelle zu chronisch behandlungsdürftigen Menschen. Außerdem bedeuten Operationen am Genital in vielen Fällen die Einschränkung oder den Verlust der sexuellen Empfindsamkeit, die nicht wieder herstellbar ist.
Die Medizin verweist oft darauf, dass es ihr Hauptziel sei, intersexuellen Menschen ein glückliches, normales – das heißt ein der zweigeschlechtlichen Norm entsprechendes – Leben zu ermöglichen. Dem Argument der Medizin, intersexuelle Menschen seien gesellschaftlich nicht akzeptiert und deshalb stark von Diskriminierung betroffen, wenn sie nicht an ein Geschlecht „angepasst“ werden, kann entgegengebracht werden, dass die gesellschaftliche Nicht-Akzeptanz vom medizinischen Diskurs sehr verstärkt oder sogar erst hergestellt worden ist. Der gesellschaftliche Umgang mit Intersexualität dient der Medizin als Legitimation für operative Eingriffe, hormonelle Behandlungen etc., ist aber erst durch die Medizin maßgeblich erzeugt worden.
Es wird kritisiert, dass die meisten Eingriffe nicht aus medizinisch-gesundheitlicher Notwendigkeit erfolgen, sondern aus rein kosmetischen Gründen, die auf einer kulturellen Vorstellung von optimalen männlichen und weiblichen Genitalien basieren. Diese beinhaltet, dass bei Frauen eine penetrierbare Vagina vorhanden zu sein hat, bei Männern ein penetrationsfähiger Penis. Dieses Bild liegt den zahlreichen Vaginaldehnungen, die von vielen Betroffenen im Nachhinein als Vergewaltigung bezeichnet werden, und den künstlich hergestellten Vaginas, die Klauda als „nichts anderes als eine tief klaffende Wunde im Unterleib“ bezeichnet, zugrunde. Dass die Vorstellung von Sexualität als Akt der Penetration hier nichts mit sexuellem Lustempfinden zu tun hat, muss wohl nicht erklärt werden.
Die Aufrechterhaltung der zweigeschlechtlichen Ordnung ist in der Medizin der körperlichen Unversehrtheit und der sexuellen Sensibilität des Kindes übergeordnet. Suzanne Kessler bringt diese Prioritätensetzung auf den Punkt: „Genitale Uneindeutigkeit wird nicht deshalb korrigiert, weil sie bedrohlich für das Leben des Kindes ist, sondern weil sie bedrohlich für die Kultur des Kindes ist.“
Die Nähe des medizinischen Diskurses zu nationalsozialistischen Gesellschaftsvorstellungen wird von Intersex-Aktivist_innen aufgezeigt, indem sie von Elimination, Ausrottung, Vernichtung etc. der Intersexualität sprechen – der Vorwurf meint nicht, dass Intersexuelle ermordet werden, sondern dass die Intersexualität als Erscheinungsform(en) ausgelöscht wird. Abgesehen von den operativen Angleichungen, wird schwangeren Frauen oft von ärztlicher Seite zu einer Abtreibung geraten, wenn sich herausstellt, dass das Kind intersexuell ist.
Der Medizin wird vorgeworfen, ein wesentlicher Grund dafür, dass sie nicht von der gängigen Praxis abrückt, ist das ökonomische Interesse an dieser. Die Endokrinologie und Genitalchirurgie würden ohne die Zwangszuweisung von Neugeborenen kaum existieren und eine solche Situation kann nicht im Interesse der Mediziner_innen sein. Der medizinische Umgang mit Intersexualität wird oft auch im Zusammenhang mit der Schönheitschirurgie gesehen, die aus ökonomischen und nicht aus gesundheitlichen Gründen existiert und ebenfalls gesellschaftliche Körperormen untermauert.
Trotz der Kritik hat sich an der ärztlichen Praxis seit den 50er Jahren wenig geändert. Die Entfernung und Verstümmelung von Organen und Genitalien wird weiterhin als notwendig erachtet und steht an der medizinischen Tagesordnung. In den wenigsten Fällen von Intersexualität handelt es sich um ein lebens- oder gesundheitsbedrohendes und damit medizinisches Problem, sondern um ein gesellschaftliches, das von der Medizin fortgeschrieben und mitverursacht wird und nur durch eine Enttabuisierung, Sichtbarmachung und ein Ende der ärztlichen Verstümmelungspraxis durchbrochen werden kann.

Literatur:


• Klauda, Georg (2002): Fürsorgliche Belagerung. Genitale Verstümmelung von Hermaphroditen. In: AStA FU (Hg.): Out Of Dahlem, Nr. 1. Berlin: AStA-Druck, 40-44.
• Lang, Claudia (2006): Intersexualität. Menschen zwischen den Geschlechtern. Frankfurt, New York: Campus Verlag.
• Money, John (1968): Sex Errors of the Body. Dilemmas, Education, Counseling. Baltimore: The John Hopkins Press.
• Prader, Andrea (1957): Intersexualität. Berlin, Göttingen, Heidelberg: Springer-Verlag.
• Reiter, Michel (1998): "It's easier to make a hole than to build a pole ". Genitale Korrekturen an intersexuellen Menschen. In: Verein zur Verbreitung unterdrückter Nachrichten (Hg): kassiber. Stadtzeitung für politik, alltag, revolution, Nr. 34. http://www.nadir.org/nadir/initiativ/kombo/k_34isar.htm
• Reiter, Michel (2000): „Ein normales Leben ermöglichen“. In: wissenschaftlich-humanitäres komitee (Hg.): Gigi. Zeitschrift für sexuelle Emanzipation, Nr. 8. Berlin: Förderverein des wissenschaftlich-humanitären komitees. http://www.gigi-online.de/intersex8.html

Artikel erschien in Suspect 17/ Jg. 2009